Start Me Up: Wie ein jamaikanischer Urlaubs-Flop zum größten Riff der Rolling Stones wurde

Es gibt Songs, die definieren eine ganze Epoche. Das Eröffnungsriff von „Start Me Up“ ist so ein Fall. Wenn Keith Richards diese open-G-gestimmte Fender Telecaster anschlägt, steht das Stadion Kopf. Was aber kaum jemand weiß: Dieses Jahrhundert-Riff verdanken wir der Tatsache, dass die Rolling Stones in den 1970er Jahren kläglich daran scheiterten, eine authentische Reggae-Band zu werden.

Um zu verstehen, warum „Start Me Up“ so klingt, wie es klingt, müssen wir ins Jahr 1972 zurückreisen. Die Stones waren damals auf der Flucht vor den britischen Steuerbehörden (ihr legendäres „Exil“). Nachdem sie ihr Meisterwerk Exile on Main St. in Südfrankreich fertiggestellt hatten, suchten sie nach einem neuen Zufluchtsort. Sie landeten in Jamaika – einer Insel, die gerade erst ihre Unabhängigkeit feierte und mitten in einer kulturellen Explosion steckte.

Die Band mietete sich in Kingston ein, um das Album Goats Head Soup (1973) aufzunehmen. Während Mick Jagger sich eher in den eleganten Ecken bewegte, verlor Keith Richards sein Herz komplett an die Insel. Er zog in die Hügel von Ocho Rios, freundete sich mit lokalen Rastafaris an und verbrachte Nächte damit, Nyabinghi-Trommlern zuzuhören. Keith war fasziniert von der rhythmischen Verschiebung des Reggae – dem Fokus auf den „Backbeat“, bei dem die Betonung nicht auf der Eins, sondern auf der Zwei und Vier liegt.

Die Metamorphose von „Never Stop“ zu „Start Me Up“

1977 stand die Band in Paris im Studio, um Songs für das Album Some Girls aufzunehmen. Keith brachte eine Zwei-Akkord-Idee mit. Doch statt Rock ’n’ Roll zu spielen, waren die Stones fest davon überzeugt, dass dieser Song ein Reggae-Track werden musste. Unter dem Arbeitstitel „Never Stop nahmen sie den Song wieder und wieder auf.

Insgesamt spielten sie den Song über 40-mal ein. Keith Richards blockierte völlig bei den Rock-Versionen. Er fand, das Riff klinge in der geraden Rock-Variante „wie etwas aus dem Radio“, wie ein billiger Pop-Abklatsch, den er unbewusst geklaut hatte. Er wies den Toningenieur Chris Kimsey an, das Band zu löschen oder zumindest ganz weit hinten im Archiv zu vergraben.

Vier Jahre vergehen. Es ist 1981, eine gigantische Stadion-Tournee durch die USA ist bereits gebucht, aber die Band hat kein neues Album. Die Fetzen fliegen, die Glimmer Twins (Jagger und Richards) sind zerstritten, und an neue Studio-Sessions ist nicht zu denken.

Chris Kimsey erinnert sich an die alten Bänder. Er durchwühlt wochenlang die Archive und stößt auf die allerersten Aufnahmen von 1977. Er ignoriert die dutzenden Reggae-Versionen und zieht Take Nummer 2 heraus – den schnellen, rohen Rock-Take. Mick Jagger hört das Band, ist begeistert, verbarrikadiert sich im Studio und schreibt in einer manischen Session den Text um. Aus dem sanften „Never stop, never stop“ wird das aggressive, sexuell aufgeladene „Start me up / If you start me up I'll never stop“.

Als Keith Richards das fertige Ergebnis hört, schaut er Kimsey fassungslos an und sagt: „Ich dachte, das hätten wir gelöscht!“ Der Song wird die Leadsingle für das Album Tattoo You (1981) und zementiert den Erfolg der Stones im MTV-Zeitalter.

Jamaika ist der perfekte Ort, um den Kopf komplett auszuschalten. Erlebe das unbeschwerte Lebensgefühl, das Keith Richards in den 70ern zu „Start Me Up“ inspiriert hat – zwischen üppigen Regenwald-Hügeln und tiefblauem Meer. Am besten saugst du den originalen Reggae-Vibe direkt an der Nordküste in Ocho Rios auf, wo Keith bis heute sein privates Refugium hat. Deine eigene musikalische Entdeckungsreise kannst du ganz einfach auf der offiziellen Seite von Visit Jamaica planen.

Das klingt für mich wie Urlaubsmusik !

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